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Sunday, January 20, 2013

DIE ZEIT-Magazin: Steven Spielberg "Für mich sind Träume immer nur einzelne Kapitel, nie die ganze Geschichte"

Als Junge filmte Steven Spielberg gerne mit der Acht-Millimeter-Kamera seines Vaters. Dass er damit weltberühmt werden würde, hätte er sich nie erträumt.

Steven Spielberg
Steven Spielberg
 
Die meisten meiner Träume passieren, wenn ich wach bin und dafür bezahlt werde. Eigentlich bin ich also ein professioneller Träumer. Ich habe aber noch nie aus einem meiner nächtlichen Träume einen Film gemacht. An die kann ich mich nach dem Aufwachen höchstens eine halbe Stunde lang erinnern. Da ich keinen Therapeuten habe, rede ich fast nie über sie.
Natürlich, manchmal habe ich gewisse Träume, in denen ich glaube, das große Rätsel des Lebens gelöst zu haben. Dann stehe ich auf und schreibe schnell ein Stichwort auf. Wenn ich dann am Morgen aufwache, lese ich auf diesem Zettel: »Dosenerbsen«. Und ich habe keine Ahnung, was dieses Wort mit der Offenbarung zu tun hat, die ich um zwei Uhr nachts im Tiefschlaf hatte.
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Als Kind habe ich nie davon geträumt, der Mensch zu werden, der ich heute bin. Ich habe nie gewagt, so weit in die Zukunft zu träumen oder mir vorzustellen, dass ich eines Tages als Filmregisseur arbeiten könnte. Auch wenn ich genau das wollte. In Phoenix gab es keine Filmindustrie. Ich war einfach ein Schuljunge, der am Wochenende gern mit der Acht-Millimeter-Kamera seines Vaters filmte. Dass ich damit mal meinen Lebensunterhalt verdienen würde – unvorstellbar.
 
STEVEN SPIELBERG
66, ist der erfolgreichste Regisseur der Welt. Mit seinen Filmen »Der weiße Hai«, »E.T. – Der Außerirdische«, »Jurassic Park« und mit der »Indiana Jones«-Reihe prägte er den modernen Hollywood-Blockbuster. Sehr viel ernster, aber ebenfalls erfolgreich waren »Schindlers Liste« und »Der Soldat James Ryan«. Spielbergs neuester Film, »Lincoln«, läuft am 24. Januar in den deutschen Kinos an
 
Für mich sind Träume immer nur einzelne Kapitel gewesen, nie die ganze Geschichte. Obwohl natürlich jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet, wie bei Indiana Jones. Ein Traum hat viel Ähnlichkeit mit einem Film: Der Träumer kann den Ausgang seines Traums ebenso wenig kontrollieren wie der Kinobesucher das Ende des Films. Das macht beide so aufregend. Mit meinen Filmen bringe ich andere Leute zum Träumen, und ich bin mir bewusst, welche Verantwortung damit einhergeht. Mir ist es wichtig, dass meine Geschichten die nötige Schwerkraft behalten. Ausgedachte Geschichten werden sonst ganz leicht so fantastisch, dass man sich mit ihnen nicht mehr identifizieren kann.
 
Ich denke nie darüber nach, wie viele Filme ich schon gemacht habe oder noch machen werde. Ich denke ja auch nicht darüber nach, wie ich weiteratmen werde. Für das Filmemachen habe ich keinen Aus-Knopf. Auch nicht für meine Familie. Es kann gerade noch so hektisch sein, wenn meine Frau oder meine Kinder anrufen, gehe ich immer ans Telefon. Meine Familie ist mir noch wichtiger als meine Filme. Das war früher nicht so, aber dann kam 1985 unser erstes Kind zur Welt, und inzwischen haben wir sieben Kinder, die meine Frau und ich alle selbst großgezogen haben.
Und von dem Moment an, in dem sie verstanden, was eine Geschichte ist, habe ich ihnen jeden Abend Gutenachtgeschichten erzählt. Die habe ich einfach immer für sie erfunden. Damit habe ich, ehrlich gesagt, erst vor Kurzem aufgehört, und meine Jüngste ist jetzt immerhin fünfzehn.

Irgendwann sagte sie zu mir: »Dad, ich bin jetzt zu groß dafür.« Aber inzwischen habe ich schon drei Enkel, also erzähle ich denen meine Geschichten. Damit höre ich nie auf. Es wird immer jemanden in meinem Leben geben, dem ich Geschichten erzählen kann.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Aufgezeichnet von Elisabeth von Thurn und Taxis

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